Der Regionalverband der Gartenfreunde Quedlinburg e.V. lädt zur nächsten Mitgliederversammlung am 28. März 2026. Diese Versammlung ist zugleich ein letzter Stimmungstest vor den anstehenden Vorstandswahlen im Herbst. Wir haben die Geschäftszahlen der letzten vier Jahre ausgewertet und ziehen daraus unsere Schlussfolgerungen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Rücklagen werden aufgezehrt, der Rückbau gerät zunehmend außer Kontrolle und die verbleibenden Einnahmen reichen am Ende gerade einmal aus, um den eigenen Verwaltungsapparat zu finanzieren. Ein Mehrwert für die Mitgliedsvereine ist dabei nicht erkennbar – nur unbequeme Wahrheiten. Wir schauen uns heute die Zahlen einmal genauer an.
Geschäftszahlen von 2025
Die Zahlen sprechen für sich. Im Jahr 2025 stehen Einnahmen von rund 239.000€ Ausgaben in Höhe von 256.000€ gegenüber. Das ergibt ein Defizit von etwa 17.000€. Doch dieses Ergebnis ist kein Einzelfall, sondern fügt sich nahtlos in die Entwicklung der vergangenen Jahre ein. Die Bilanz ist eindeutig: Überschüsse gehören der Vergangenheit an. Verluste sind zur Regel geworden.
| Zeitraum | Einnahmen | Ausgaben | Differenz |
| 01.01.–31.12.2021 | 252.000€ | 223.000€ | +29.000€ |
| 01.01.–31.08.2022 | 223.000€ | 262.000€ | -39.000€ |
| Ende 2022 / 2023 | keine Daten | keine Daten | keine Daten |
| 01.01.–31.12.2024 | 239.000€ | 275.000€ | -36.000€ |
| 01.01.–31.12.2025 | 239.000€ | 256.000€ | -17.000€ |
Kontostände und Rücklagen
Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen. Der Verband arbeitet mit zwei Konten – einem Girokonto und dem Rückbau-Cent. Besonders auffällig ist der drastische Rückgang beim Rückbau-Cent. Innerhalb weniger Jahre sind die Mittel von 132.000€ auf nur noch 38.000€ geschrumpft. Das ist kein normaler Mitteleinsatz mehr, sondern ein klarer Substanzverzehr.
| Stichtag | Girokonto | Rückbau-Cent | Gesamt |
| 31.12.2021 | 151.000€ | 132.000€ | 283.000€ |
| 31.08.2022 | 189.000€ | 52.000€ | 242.000€ |
| 31.12.2023 | 197.000€ | 91.000€ | 288.000€ |
| 31.12.2024 | 177.000€ | 76.000€ | 253.000€ |
| 31.12.2025 | 198.000€ | 38.000€ | 236.000€ |
Einnahmenstruktur
Die Einnahmenseite des Jahres 2025 zeigt, wie schwach die eigene Finanzbasis tatsächlich ist. Der größte Teil dieser Einnahmen ist nur durchlaufend und steht dem Verband nicht zur freien Verfügung. Tatsächlich verbleiben im Kern die Mitgliedsbeiträge. Diese reichen jedoch kaum aus, um den laufenden Betrieb zu decken.
| Bereich | Betrag |
| Mitgliedsbeiträge und Gutschriften | 45.000€ |
| Durchlaufende Positionen (Pacht, Versicherungen etc.) | 172.000€ |
| Rückbau-Cent | 22.000€ |
| Summe | 239.000€ |
Ausgabenstruktur
Auf der Ausgabenseite zeigt sich, wohin diese Mittel fließen. Auffällig ist, dass ein Großteil der Mitgliedsbeiträge unmittelbar in Personal und Geschäftsstelle gebunden ist. Für Projekte, Unterstützung der Vereine oder eine aktive Interessenvertretung bleibt kaum finanzieller Spielraum.
| Bereich | Betrag |
| Personalkosten | 23.000€ |
| Unterhalt Geschäftsstelle | 7.000€ |
| Mitgliederversammlungen | 1.000€ |
| Geschäftsbetrieb | 12.000€ |
| Durchlaufende Positionen | 153.000€ |
| Rückbau | 60.000€ |
| Summe | 256.000€ |
Ausufernder Rückbau
Die eigentliche Ursache der finanziellen Schieflage liegt im Rückbau:
- Rückgabe Fläche Freiheit (2022): 80.000€
- Beräumung Holzbreite I (2024): 35.000€
- Rückgabe Teilfläche Weddersleben (2025): 60.000€
Gesamt: 175.000€
Dem stehen jährlich nur rund 20.000€ Einnahmen aus dem Rückbau-Cent gegenüber. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Mit jedem zurückgebauten Quadratmeter sinken auch die Einnahmen. Die Finanzierungsbasis schrumpft somit gleichzeitig mit dem steigenden Bedarf. Der Rückbau in Weddersleben ist zudem noch nicht abgeschlossen und wird auch 2026 weitere Mittel binden. Der Verband verkommt damit immer mehr zu einem reinen Haftungsverbund.
Haushaltsplan 2026
Ein Blick in den Haushaltsplan 2026 zeigt keine Besserung:
- Einnahmen: 220.000€
- Ausgaben: 261.000€
Geplantes Defizit: 41.000€
Dieses soll erneut durch Rücklagen gedeckt werden. Damit setzt sich der bisherige Kurs fort: Verluste werden nicht verhindert, sondern lediglich ausgeglichen.
Unbequeme Wahrheiten
Auf der kommenden Mitgliederversammlung werden diese Entwicklungen offenbar erneut nicht offen thematisiert. Stattdessen bleibt vieles beim Alten. Weder wird die Diskussion über eine Anpassung des Rückbau-Cent ernsthaft geführt, noch werden strukturelle Maßnahmen zur Stabilisierung erkennbar. Gleichzeitig werden Einnahmen durch Sondereffekte geschönt und Kosten teilweise aus dem laufenden Haushalt herausgenommen. Auch neue Gebührenmodelle (u.a. Verwaltungskosten für ausgetretene Vereine) stehen im Raum, deren rechtliche Zulässigkeit mehr als fraglich ist.
Wer aufmerksam die Einnahmen- und Ausgabenseite sich angeschaut hat, dem dürfte auch nicht entgangen sein, dass der Verband augenscheinlich Mehreinnahmen über durchlaufende Positionen wie z.B. bei der Pacht generiert. Darüber hinaus nehmen wir uns auch in einen der kommenden Beiträge das zwielichtige Konstrukt des Verpächterszuschlages einmal genauer vor.
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