Es war ein Sonntagvormittag im September vergangenen Jahres. Die Stimmung: heiter, gelöst, fast familiär. Man kannte sich aus vielen Gesprächen und Erfahrungsaustauschen. Vertreter aus vier Quedlinburger Kleingartenvereinen kamen am 21. September 2025 zusammen – mit einem gemeinsamen Ziel: die Gründung eines eigenen, modernen Kleingartenverbandes. Ein Teilnehmer sagte später, dieser Schritt sei längst überfällig gewesen. Die Freude über das neu Geschaffene war spürbar. An diesem Tag wurde der Grundstein gelegt für den Fairband Gartennetzwerk Quedlinburg und Umgebung e.V.

Wenn interne Reformen nicht mehr möglich sind
Im Gespräch mit den frisch gewählten Vorsitzenden Thomas Hentschel und Kevin Albrecht (2. Vorsitzender) wird deutlich, warum dieser Schritt notwendig wurde. Mit dem Regionalverband der Gartenfreunde Quedlinburg e.V. existiert bereits eine höhere Kleingartenorganisation vor Ort. Doch mehrere Vereine – darunter die von Hentschel und Albrecht – verließen diesen Verband zum 31.12.2025.
Beide sprechen offen über ihre Unzufriedenheit. Versuche, intern Verbesserungen anzustoßen, seien gescheitert. Kritische Stimmen habe man eher ausgegrenzt als eingebunden. Am Ende landeten Auseinandersetzungen vor Gericht. „So stellt man sich kein Mitgliedschafts- und Vertrauensverhältnis vor“, sagt Thomas Hentschel rückblickend.
Auch Kevin Albrecht schildert seine ersten Erfahrungen. Bei seinem Antrittsbesuch sei er davor „gewarnt“ worden, mit bestimmten Personen – darunter Hentschel – Kontakt zu halten. Später habe er sich alleingelassen gefühlt, als ihm mitgeteilt wurde, dass beim Verband keinerlei Unterlagen zu seinem Verein vorlägen. Auf wichtige Anfragen, etwa zum Thema Teilrückbau, habe es oft keine oder nur verspätete Antworten gegeben.
Wenn Beteiligung schwindet, verlieren alle
Seit 2022 versuchte Hentschel auf Missstände aufmerksam zu machen. In Gesprächen mit Vereinsvorständen habe er immer wieder ähnliche Rückmeldungen gehört: Unzufriedenheit, überzogene Vorgaben, lange Wartezeiten, fehlende Fortschritte. Doch nur wenige seien bereit gewesen, diese Kritik offen zu äußern.
„Der Verband war eher Sand im Getriebe als das Öl im Motor“, beschreibt er die Situation. Ein Kernproblem sei die nachlassende Beteiligung. Viele Vereinsvertreter nähmen nicht mehr an Mitgliederversammlungen teil – obwohl gerade dort durch Anträge und Mehrheitsbeschlüsse konkrete Verbesserungen möglich wären. Diese fehlende Mitwirkung spiele den bestehenden Strukturen in die Karten.
Gleichzeitig betont Hentschel: Vereinsarbeit ist Ehrenamt. Zwischen Beruf, Familie und Vereinsführung fehle vielen schlicht die Kraft für zusätzliche Konflikte auf Verbandsebene – selbst wenn Unzufriedenheit bestehe.
Warum „Fairband“? Weil es anders gehen muss.
Man wolle sich klar von kostenintensiven, schwerfälligen Strukturen abgrenzen. Der neue Verband setzt bewusst auf ein schlankes Modell:
- keine eigene Immobilie
- kein Verwaltungsapparat
- keine hohen Aufwandsentschädigungen
- Konzentration auf Inhalte
„Titel und Briefköpfe ersetzen keine inhaltliche Arbeit – am Ende zählen Ergebnisse für die Vereine“, sagt Albrecht.
Stattdessen stehen Praxisnähe und Austausch im Mittelpunkt:
- unkomplizierter Erfahrungsaustausch zwischen Vereinsvorständen
- ein regelmäßiger „Stammtisch der Kleingärtner“
- gemeinsame Weiterbildungen
- gegenseitige Unterstützung bei konkreten Problemen
„Man soll sich wieder trauen, Ideen und Meinungen einzubringen. Im Kollektiv entstehen bessere Lösungen als hinter verschlossenen Türen“, ergänzt Hentschel.
Warum ein eigener Verband? Weil wir es ernst meinen.
Viele dieser Ansätze wären auch als loses Netzwerk möglich gewesen. Doch die Vereinsgründung ist ein bewusstes Zeichen: Verbindlichkeit statt Unverbindlichkeit. Verantwortung statt Abwarten.
Der Fairband ist als eingetragener Verein organisiert, die Satzung ist beim Amtsgericht hinterlegt, die steuerliche Gemeinnützigkeit wurde festgestellt. Bereits drei Mitgliedsvereine gehören dazu. Als Verband kann man gegenüber Eigentümern und Behörden geschlossener und verbindlicher auftreten.
„Wir wollten nicht länger um Veränderungen bitten – wir wollten selbst Strukturen schaffen, die funktionieren“, so Hentschel.
Wie geht es weiter?
„Wir stehen noch am Anfang, aber wir stehen nicht still“, sagt Kevin Albrecht.
Aktuell werden Beitragsrechnungen erstellt und ein kostenfreies Vereinskonto eröffnet. Als gemeinnütziger Verein kann der Fairband Fördermittel beantragen und Spendenquittungen ausstellen. Gespräche mit weiteren interessierten Vereinen aus Quedlinburg und Thale laufen bereits. Auch die aktuelle mediale Berichterstattung vom MDR und in der Mitteldeutschen Zeitung sowie die Unterstützung des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e.V. helfen sehr.
Der Eindruck: Der Wunsch nach neuen, beweglicheren Strukturen ist größer, als viele lange angenommen haben.
Was kostet die Mitgliedschaft?
Der Fairband konzentriert sich auf das Wesentliche. Zu Beginn fallen vor allem Notar- und Gerichtskosten an. Perspektivisch sind gemeinsame Anschaffungen wie Veranstaltungsequipment geplant.
Die Beiträge:
- Mitgliedsvereine: 25 € pro Jahr
- Natürliche Personen: 5 € pro Jahr
Transparenz und nachvollziehbare Mittelverwendung sind dabei Grundprinzipien.
Der Fairband steht für eine neue Generation im Kleingartenwesen: Jung im Denken, klar in der Haltung und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wir wünschen dem neuen Verein alles Gute für die Zukunft. Für weitere Informationen und die Möglichkeiten, wie man Mitglied werden kann findet ihr auf der Internetseite vom Fairband Gartennetzwerk Quedlinburg und Umgebung e.V. Wenn ihr Beiträge wie diesen nicht mehr verpassen möchtet, dann folgt uns auf Facebook und lasst dort auch gerne ein „Like“ da. Wer uns ganz besonders unterstützen möchte, den empfehlen wir unseren Beitrag über GoFundMe.





