Nun ist es offiziell. Der Landesverband der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e.V., über dem auch der Regionalverband der Gartenfreunde Quedlinburg e.V. bis Ende 2023 organisiert war, tritt aus dem Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e.V. (BKD) aus. Der Landesverband informierte über die Hintergründe in seinem eigenen Magazin „Der Kleingärtner“ in der aktuellen Ausgabe. Auch die Magdeburger Volksstimme berichtete bereits darüber.
Austritt aus dem BKD
Ganz kurz und knapp lautete die Überschrift im Verbandsheftchen der März-Ausgabe. Bereits auf der Mitgliederversammlung vom 15. März wurde der entsprechende Beschluss über den Austritt aus dem Bundesverband mehrheitlich beschlossen. Mit knapp 80.000 organisierten Kleingärtnern tritt demnach der Landesverband der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt, als zweitgrößter Verband nach Sachsen, zum 31.12.2026 aus dem Bundesverband aus. Der Präsident und Geschäftsstellenleiter des Landesverbandes, Olaf Weber, führte zuvor im Rahmen seines Geschäftsberichtes über Probleme in der Zusammenarbeit der letzten Jahre aus.
In die Pflicht nehmen
Laut Weber versuchte man den BKD stärker in die Pflicht zu nehmen. Wichtig für den Landesverband waren und sind vor allem die politischen Themen wie zum Beispiel die Grundsteuerreform, das Thema rund um Solaranlagen sowie politische Unabhängigkeit. Der Präsident des Landesverbandes beklagte weiter die mangelnde Unterstützung beim Eichgesetz und die kaum spürbare Einbeziehung des Kleingartenwesens in die Städtebauförderung. Auch die Bundespolitik kommt ihrer Verantwortung gegenüber den 900.000 bundesweiten Pächterfamilien nur unzureichend nach, so Weber abschließend.
Historischer Schritt
Webers Fazit ist ernüchternd. Der BKD sei kein Schutzschild mehr auf Bundesebene. Es fehle das erforderliche Problembewusstsein und der notwendige Rückhalt für das Kleingartenwesen. Man erwarte vom Bundesverband das Aufzeigen vom Lösungsansätzen. So müsse im städtischen Raum der Zugriff auf Kleingartenland eingeschränkt oder gar ganz verhindert werden. Auf der anderen Seite müsse man aber gerade im ländlichen Raum das Überangebot angehen und die Renaturierung solcher Flächen sollte endlich angeschoben werden. Der Bundesverband habe darüber hinaus mehrere Gesprächsangebote nicht angenommen. Letztendlich kam das Präsidium des Landesverbandes zu dem Entschluss, das auf dieser Basis keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr möglich sei. Daher wurde der Austritt aus dem BKD auf der letzten Mitgliederversammlung zur Abstimmung gestellt.
Die Intransparenz des BKD
Besonders folgende Ausführungen des Präsidenten des Landesverbandes ließen uns aufhorchen. Es habe sich innerhalb der Mitgliedschaft des Bundesverbandes eine Versicherungsgesellschaft und eine Stiftung neu gegründet. Diese sollen völlig intransparent an den Beschlussgremien des Bundesverbandes vorbei agieren. Laut Weber wurde eine bewusste Spaltung der Kleingärtnergemeinschaft damit in Kauf genommen. Diese Vorgehensweise wollte man nicht mittragen.
Knappes Ergebnis
Auf der Mitgliederversammlung des Landesverbandes in Halle am 15. März 2025 kam es dann zu einer sehr knappen Abstimmung. Laut der Magdeburger Volksstimme sollen sich 18 von 32 der Delegierten für einen Austritt aus dem BKD ausgesprochen haben. Vier Delegierte stimmten dagegen, sechs enthielten sich und ganze vier Delegierte machten ihre Stimme ungültig.
BKD äußert sich
Ebenfalls im Artikel der Volksstimme vom 04.04.2025 äußerte sich auch der BKD zu den Vorwürfen des Landesverbandes und verwies diese so wörtlich „ins Reich der Fabel“ zurück. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes, Stefan Grundei, bezeichnete die Darstellungen des Präsidenten des Landesverbandes als unwahr. Die neu gegründete Versicherung zum Beispiel sei ein freiwilliger Zusammenschluss einiger Landesverbände. Damit hätte der BKD nichts zu tun, so Grundei. Bei der gemeinnützigen Stiftung sei man vom plötzlichen Widerstand überrascht gewesen, da es bei der Vorstellung der Pläne keinerlei Widersprüche gegeben habe.
Absurd und fassungslos
Stefan Grundei nahm in seinem Presse-Statement langsam Fahrt auf. So bezeichnete er den Vorwurf, man setzte sich nicht genug für den Schutz von Kleingartenflächen besonders in Großstädten ein, als geradezu absurd. Es sei schließlich der Arbeit des BKD zu verdanken gewesen, dass z.B. im Jahr 2022 die Kleingartenflächen Eingang in das Bundesnaturschutzgesetz gefunden haben, so Grundei weiter. Auch die Vorwürfe hinsichtlich der Städtebauförderung mache ihn fassungslos. Auf Bundesebene habe man sich unerlässlich für eine Beteiligung der Vereine eingesetzt. Auf Landesebene sei man aber auch auf die Kooperation der jeweiligen Landesregierungen angewiesen. Dort müssten dann aber auch die Landesverbände ihren Teil dazu beitragen. Grundei sagte abschließend, dass er das Gefühl habe, das gerade in dieser Sache der Landesverband Sachsen-Anhalt nicht im erforderlichen Maße tätig geworden ist.
Schaden für die Kleingärtner
Ein Austritt aus dem Bundesverband sei insgesamt sehr bedauerlich, so der Geschäftsführer des BKD. In der Sache würde dies nur den Kleingärtnern schaden. Es sei schließlich immer besser, wenn man mit einheitlicher Stimme spricht. Für Sachsen-Anhalt sieht Grundei Nachteile. Man könne nicht mehr auf die Expertise des Bundesverbandes zurückgreifen.
Weitere Verbände wollen folgen
Dem Volksstimme-Artikel kann man entnehmen, dass auch die Landesverbände von Thüringen und Westfalen-Lippe über einen Austritt aus dem Bundesverband nachdenken bzw. einen Austritt zur Abstimmung stellen werden.
Es ist nicht zu übersehen. Es findet gerade ein Umbruch im organisierten Kleingartenwesen statt. Auf allen Ebenen scheinen eine gewisse Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit vorzuherrschen. Es gründen sich lokale Gruppierungen wie die Vereine Schreberrebellen e.V., der Berliner Verein „Brandbrief“ oder dem Leipziger „FairBund freier Kleingartenvereine e.V.“. Diese Gruppierungen sind keineswegs Teil des Problems, sondern sind eher Symptome und auf der Suche nach alternativen Lösungswegen. Der normale Kleingärtner bezahlt in der Regel mit seinen Mitgliedsbeiträgen auch die übergeordneten Verbandsstrukturen bis zum Bundesverband. Viele Vereinsvorstände können es aus eigener Erfahrung am Besten berichten. Oftmals bleibt man bei Problemen auf sich alleine gestellt. Auch in Verbandszeitschriften findet man meistens nur die guten Seiten im Kleingartenwesen. Die Realität an der Basis sieht allerdings oft anders aus. Aber aufgrund der Ausführlichkeit dieses Themas bedarf es gern einen gesonderten Beitrag dazu.
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Quellen:
- Der Kleingärter Ausgabe 03/ 2025
- Volkstimme 04.04.2025 (Bezahlbeitrag – Artikel auf Anfrage)